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Supramolekulare Architektur ermöglicht lichtgespeiste Ladungstrennung

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  • Neues aus der Fakultät 2026
Grafische Zusammenfassung © AK-Clever​/​TU Dortmund
Prof. Guido Clever (Lehrstuhl für Bioanorganische Chemie an der Fakultät für Chemie und Chemische Biologie, TU Dortmund) hat zusammen mit den Nachwuchsgruppen um Jacopo Tessarolo (Chonnam University, Südkorea) und Kai Wu (Sun-Yat Sen University, China) – beide vormals Postdocs an der TU Dortmund – einen neuen Ansatz zur Synthese lichtsammelnder Nanoarchitekturen veröffentlicht. Mit der in Dortmund entwickelten „Shape Complementary Assembly“ (SCA) Strategie gelang es erstmals, strukturell klar definierte Donor-Akzeptor-Käfige aus organischen Liganden und Palladium(II)-Ionen in einem einzigen Schritt molekularer Selbstsortierung herzustellen. Diese supramolekularen Strukturen ermöglichen nun eine gezielte Untersuchung und Steuerung lichtinduzierter Elektronentransferprozesse auf der Nanometerskala.

Im Gegensatz zu früheren, statistisch zusammengesetzten Systemen, deren unkontrollierte Ligandenverteilung die Analyse und Planbarkeit der Materialeigenschaften erschwerte, erlaubt die SCA-Methode die exklusive Bildung eines einzelnen Käfigisomers. Dadurch werden mögliche Elektronentransferrouten auf ein Minimum reduziert, was ein klareres Verständnis der Dynamik angeregter und ladungsgetrennter Zustände ermöglicht. Zudem wurde so der Grundstein für das gezielte Design von Käfig-Bibliotheken zur systematischen Optimierung von Thermodynamik und Kinetik der lichtgespeisten Ladungstrennung gelegt.

Die Forscherinnen und Forscher untersuchten die Käfigbildung mittels NMR-Spektroskopie, Massenspektrometrie und Röntgenstrukturanalyse. Optische und elektrochemische Messungen zeigten, dass Donor- und Akzeptorbausteine im Grundzustand weitgehend voneinander unabhängiges Verhalten zeigen. Mit ultraschneller Femtosekunden-Pump-Probe-Spektroskopie konnte mit der Gruppe um Prof. Dirk Schwarzer, Max-Planck-Institut für Multidisziplinäre Naturwissenschaften Göttingen, gezeigt werden, dass nach Anregung durch Licht eine rasche Ladungstrennung zwischen den Liganden erfolgt – gefolgt von zwei separaten Rücktransferprozessen auf Zeitskalen von Hunderten Pikosekunden bis etwa einer Nanosekunde. Diese Prozesse hängen direkt von der räumlichen Anordnung der Donor- und Akzeptorliganden innerhalb der Käfige ab.

Die Ergebnisse belegen das Potenzial nicht-statistischer Selbstsortierung für die präzise Positionierung photoaktiver Komponenten auf molekularer Ebene. Damit eröffnet sich ein neuer Weg zum rationalen Design funktionaler Materialien für Anwendungen in der Photovoltaik, Sensorik und Photoredox-Katalyse.

Die Arbeit wurde von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) im Rahmen des Graduiertenkollegs GRK2376 („Confinement-controlled Chemistry“) und der Exzellenzstrategie im Cluster RESOLV, EXC2033 gefördert.

Portrait von Jacopo Tessarolo, Laura Neukirch, Kai Wu © AK-Clever​/​TU Dortmund
Dr. Jacopo Tessarolo, Dr. Laura Neukirch, Dr. Kai Wu

Zur Pub­li­ka­tion:

J. Tessarolo, L. Neukirch, K. Wu, J.-H. Borter, H. Lee, D. Schwarzer, G. H. Clever
Non-Statistical Assembly of Donor-Acceptor Cages for Light-Induced Charge Separation
Angew. Chem. Int. Ed. 2026, e202522944.

Arbeitsgruppe Prof. Clever