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Internationaler Krebspreis
- Neues aus der Fakultät 2025

Über die Erkrankung GIST
Jährlich erkranken in Deutschland über 1.000 Menschen an einem Gastrointestinalen Stromatumor (GIST) einer seltenen Krebsart des Magen-Darm-Trakts. Ursache sind genetische Veränderungen, die zu Fehlfunktionen bestimmter Signalproteine führen. Zwar haben zielgerichtete Medikamente die Behandlung von GIST in den vergangenen Jahren deutlich verbessert, doch stoßen sie oft an ihre Grenzen, da viele Patient:innen Resistenzen entwickeln oder unter erheblichen Nebenwirkungen leiden.
Über den Preis
Für seine herausragende Forschungsarbeit wurde Dr. Tom Schulz mit dem GIST-Preis 2025 der GIST-Gruppe Schweiz ausgezeichnet. Die mit 10.000 Schweizer Franken dotierte Auszeichnung wird jährlich an Forschende verliehen, die mit ihren Arbeiten zur Entwicklung neuer Therapien für GIST beitragen. Die Organisation engagiert sich für Patientinnen und Patienten und fördert gezielt die Erforschung innovativer Behandlungsansätze.
Im Mittelpunkt der ausgezeichneten Forschung stehen kovalente Inhibitoren die als Wirkstoffe ihre Zielproteine nicht nur vorübergehend blockieren, sondern dauerhaft ausschalten. Dieses Prinzip hat in der Onkologie bereits Erfolge erzielt, etwa beim Lungenkrebsmedikament Tagrisso® (Osimertinib). Dr. Schulz konnte nun erstmals zeigen, dass sich dieser Ansatz auch auf GIST übertragen lässt.
Kovalente Inhibitoren unterscheiden sich von klassischen Wirkstoffen durch ihre besondere chemische Bauweise. Sie tragen reaktive Gruppen, die gezielt irreversibel an bestimmte Aminosäuren im Tumorprotein binden. Dadurch wird das krankheitsrelevante Protein dauerhaft deaktiviert. Dieser Mechanismus eröffnet neue Möglichkeiten für wirksamere und zugleich verträglichere Krebstherapien.

Die von Dr. Schulz entwickelten Hemmstoffe zeigten in biochemischen und zellbasierten Tests nicht nur eine hohe Wirksamkeit, sondern auch eine deutlich gesteigerte Selektivität. Gesunde Zellen bleiben dabei weitgehend verschont, was ein entscheidender Faktor zur Verringerung potenzieller Nebenwirkungen ist. Besonders hervorzuheben ist zudem die erstmalige Bestimmung der dreidimensionalen Struktur eines solchen kovalenten Inhibitors im Komplex mit dem mutierten Zielprotein. Dieses „molekulare Abbild“ liefert wertvolle Einblicke in die Wirkweise der Substanzen und bildet die Grundlage für die gezielte Weiterentwicklung noch potenterer Wirkstoffe.
Über den Preisträger
Dr. Tom Schulz hat an unserer Fakultät Chemische Biologie studiert und im Januar 2025 mit einer Arbeit zur Entwicklung innovativer Wirkstoffe zur Überwindung von Resistenzen in GIST-Tumoren promoviert. Derzeit ist er am Max-Planck-Institut in Dortmund tätig und wird im Januar 2026 eine Postdoc-Stelle am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in den USA antreten.
Die Forschungsarbeit von Dr. Schulz wurde unterstützt durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), den Drug Discovery Hub Dortmund (DDHD), das NRW-Programm „Netzwerke 2021“ (CANTAR), das Mercator Research Center Ruhr (IGNITE) und die Deutsche Krebshilfe (TACTIC).





